Rückblick und Ausblick

Die Kreisverkehrswacht Segeberg wurde am 04.02.1954 im Hotel Germania zu Bad Segeberg mit dem Ziel "der Förderung der Verkehrssicherung sowie der Verkehrserziehung und des Verkehrshilfsdienstes, ferner der ständigen Beratung aller mit dem Straßenverkehr befassten Organisationen und Einzelpersonen" gegründet.

Unter der Leitung des 1. Vorsitzenden der Landesverkehrswacht Schleswig-Holstein Franz Ritter aus Kiel beschloss die Gründungsversammlung eine Satzung und wählte den Rechtsanwalt Dr. Hellmut Heese zum Vorsitzenden der Kreisverkehrswacht Segeberg mit dem Sitz in Bad Segeberg.


Zu dem provisorischen geschäftsführenden Vorstand wurden die Herren Vollstedt aus Bad Bramstedt und Wulf aus Kaltenkirchen gewählt. Weitere Mitglieder der Gründungsversammlung waren: Kreisverwaltungsrat Breusig, Bürgervorsteher Ströh (Kaltenkirchen), Bürgermeister Gebhardt (Bad Bramstedt), Polizeikommissar Grusnow (Bad Segeberg), Lehrer Jamm (Bad Segeberg). Die Führung der Geschäfte übernahm Friedrich Brockmann von der Kreisverwaltung. Mitglieder zahlten einen Mindestbeitrag von 0,50 DM, juristische Personen einen solchen von monatlich 5,00 DM (Satzung !).Diese Beiträge gelten natürlich heute (2011) nicht mehr. Der Jahresbeitrag für Mitglieder beträgt heute 15,00 Euro, bzw. 50,00 Euro für juristische Personen.

UNFALLZAHLEN IM VERGLEICH

Im Jahre 1953 gab es im Kreis Segeberg

24 Unfalltote,

469 Unfallverletzte und

286 Verkehrsunfälle, an denen Schulkinder beteiligt waren.

Im Jahre 2008 (55 Jahre später) reduzierte sich die Zahl der Verkehrsunfälle gegenüber 2007 um 18 % im Kreis Segeberg.

18 Unfalltote,

1418 Unfallverletzte, davon 155 Schwerverletzte und 1263 Leichtverletzte

Im Kreis Segeberg waren im Jahre 2008 171705 Kraftfahrzeuge registriert; d.h. 551 Kfz. auf 1000 Einwohner.

DAVON VERUNFALLTE KINDER BIS UNTER 15 JAHREN:

1 Kind als Radfahrer getötet

35 Kinder als Mitfahrer verletzt

87 Kinder als Radfahrer verletzt

26 Kinder als Fußgänger verletzt

Zur Beratung des Vorstandes bildete die Gründungsversammlung einen "Arbeitsausschuss" mit Sachverständigen zu Straßenverkehrsfragen, technischen Fragen, Ausbildung und Fahrzeuge, Radfahrer, Fußgänger, Verkehrserziehung in den Schulen sowie einem Vertreter der Gewerkschaft ÖTV und einen Vertreter des Kraftfahrzeuggewerbes. Es sollte einige Zeit vergehen, bis die Empfehlungen oder Beschlüsse des Arbeitsausschusses "Wirkung" zeigten. Im Jahre 1956 wurden die ersten Schülerlotsendienst, u. a. in Tensfeld, eingerichtet.

 

Es erwies sich, dass die Lernziele der Verkehrserziehung zur Wissensvermittlung und zum Motivieren von vorbildlichem Verhalten im Straßenverkehr am besten im schulischen Bereich auf administrativem Wege "angeschoben" werden konnten. Der Schulrat des Kreises Segeberg, Herr Simon, ernannte 1958 den Mittelschullehrer Walter Behnke zum "Kreisfachberater für Verkehrserziehung beim Schulamt" und erteilte ihm den Auftrag, die Zusammenarbeit der Schule mit Polizei, Ordnungsbehörde und Verkehrswacht zu koordinieren. 1959 übernahm Walter Behnke die Geschäftsführung der Kreisverkehrswacht Segeberg. Damit erhielt er die materielle Basis zur Erfüllung der ihm als Kreisfachberater übertragenen Aufgaben, wie z. B. Durchführung von Lehrertagungen mit den Obleuten für Verkehrserziehung an den allgemeinbildenden Schulen, Betreuung der Schülerlotsen an mehreren Orten des Kreises (Bad Segeberg, Wahlstedt, Leezen, Kaltenkirchen, Trappenkamp) und Durchführung der Radfahrprüfungen. Den Schulen konnte Unterrichtsmaterial zur Verkehrserziehung übergeben werden.

Aus den bescheidenen Mitteln der Beitragseinnahmen konnten natürlich die schnell wachsenden Ausgaben - allein für den Bereich der Schulverkehrserziehung - nicht getragen werden. Glücklicherweise gelang es, einen der damaligen Segeberger Amtsrichter, Friedrich Fabel, zu überzeugen, dass die "Bußgelder der Verkehrssünder" nirgendwo besser eingesetzt werden könnten als zur Unterstützung von Verkehrserziehungsarbeit der Kreisverkehrswacht! Mit Hilfe dieser Mittel war es möglich, dass die Kreisverkehrswacht Segeberg in der damaligen Zeit u. a. bei der Betreuung von Schülerlotsen im Lande Schleswig-Holstein eine Spitzenposition einnehmen konnte.


Die Schulverkehrserziehung blieb auch in den nächsten beiden Jahrzehnten der Schwerpunkt unserer Verkehrswachtarbeit. Im Laufe der Jahre wurde die Arbeit mehrfach durchstrukturiert und für bestimmte Bereiche wurden Dauer-Sponsoren gefunden. Persönliche Kontakte und der Ruf, die übergebenen Sponsorenmittel direkt zur Zielgruppe zu bringen, schufen ein wertvolles Vertrauensverhältnis. Beispiele: In den siebziger Jahren erfanden wir die zentrale Einschulungsveranstaltung des Kreises unter dem Logo der Verkehrswacht. Unser Partner war dabei die Kreissparkasse Segeberg, die uns alljährlich 500 "gelbe Mützen" für Schulanfänger zur Verfügung stellte, und als diese von den Kindern nicht mehr "abgenommen" wurden gab es dafür Reflexbänder. Oder: Zum Beginn der dunklen Jahreszeit brachten wir bei der Aktion "Sicherheit durch Sichtbarkeit" für alle Erstklässler "Blinkis" in die Schulen und demonstrierten deren Anwendung; diesmal mit den "Volksbanken und Raiffeisenbanken" als Sponsor. Regelmäßig boten wir hier den Eltern der Schulanfänger Informationsabende mit Moderatoren des Programms "Kind und Verkehr" an.


Die Radfahrprüfungen konzentrierten wir im Laufe der Zeit nach den entsprechenden Erlassen des Kultusministers von 1972 und 1973 auf das 4. Schuljahr. Die Form wandelte sich von rein theoretischen Prüfungen über praktische Übungen im Schonraum hin zu den Prüfungsbestandteilen "theoretische Prüfung" plus "praktische Übungen im öffentlichen Verkehrsraum". Seit einigen Jahren gibt es dazu die Landes-Auftaktveranstaltung "Sattelfest", die bereits zweimal im Kreis Segeberg stattfand (2001 in Kaltenkirchen und 2004 in Wahlstedt). Die Radfahrprüfungen werden in enger Zusammenarbeit mit den Schulen und den Verkehrslehrern der Polizei und mit finanzieller Unterstützung der Provinzial Nord AG durchgeführt.

Zusätzlich zur Landesnorm führen wir im Kreis Segeberg für eine große Anzahl der Schüler einen Sehtest mit fachkundiger Beratung durch unser Vorstandsmitglied, die Optikermeisterin Ilse Voß, durch. Etwa 15 % der Teilnehmern wurde zu einer augenärztlichen Untersuchung geraten.


Wir werben auch für das Tragen von Fahrradhelmen!


Weil sich gezeigt hatte, dass viele der Schülerinnen und Schüler ihr "Verkehrs-Fachwissen" oft schon nach einem Jahr "verloren" haben, führt die Verkehrswacht im 6. Schuljahr den "Verkehrserziehungswettbewerb" in allen allgemeinbildenden Schulen mit Erfolg durch. Sponsoren: Unfallkasse, Landesverkehrsministerium, Sparkassen.


In den 7. Klassen werden Schüler und Schülerinnen auf die Möglichkeit der Schüler- oder Buslotsentätigkeit hingewiesen, ausgewählt und durch die Verkehrslehrer der Polizei ausgebildet. Ihr Einsatz erfolgt dann im 8. und 9. Schuljahr.

Auch jetzt bemühen wir uns, den Lotsen als Anerkennung für ihre verantwortungsvolle Aufgabe, deren Nutzen für die zu schützenden Schüler schwer messbar ist, neben der Eintragung im Abgangszeugnis auch einige schöne Stunden, z. B. bei einem Ausflug, zu geben. Ziele u. a.: Flughafen Hamburg-Fuhlsbüttel, Rödby (Fahrradtour), Autostadt Wolfsburg, Polizeischule Eutin, Wildpark Eekholt. Wenn es mal nicht möglich war, eine Tour durchzuführen, erhielten die Lotsen im Rahmen ihrer Abschiedsfeier an ihrer Schule Büchergutscheine oder Eintrittskarten für die Polizeisportschau. Infolge dieser intensiven Betreuung konnten immer wieder genügend Anwärter für die Laufbahn als Schülerlotsen gefunden werden. Wenn durch plötzliche Baustellensituationen o. ä. spezielle Schulwegsicherungsmaßnahmen nötig wurden, sprangen auch Eltern in die Bresche und ließen sich zu Schülerlotsen ausbilden, u. a. in Kaltenkirchen.


Das 9. Schuljahr ist die letzte Möglichkeit, an alle Schüler der allgemeinbildenden Schulen mit Themen zum Verhalten im Straßenverkehr heranzukommen; deshalb noch ein Verkehrserziehungswettbewerb mit relativ hoher Akzeptanz. Hierbei werden auch einige der im Kreise vorhandenen Mofa-Schulen eingesetzt. Sponsoren: Volksbanken und Raiffeisenbanken sowie Landesverkehrsministerium.


Besondere Erwähnung soll der vom ganzen Kreis Segeberg genutzte Verkehrsübungsplatz bei der Grundschule Flottkamp in Kaltenkirchen finden. Er wird von der Stadt unterhalten und steht allen Schulen des Kreises für Übungen im Schonraum offen. Auf diesem Platz führen wir seit einigen Jahren auch Übungen im Schonraum für Vorschulkinder durch. Unsere Moderatoren für das Programm "Kind und Verkehr" üben aber mit den "Kleinen" auch das Verhalten im öffentlichen Verkehrsraum. Damit das gefahrlos ablaufen kann, haben wir den Teams Sicherheitswesten zur Verfügung gestellt.


Unsere Spitzenposition bei den Ferienpassaktionen im Lande Schleswig-Holsein und z. T. sogar bundesweit, konnten wir in 2003 mit Fahrradaktionen wie "FIT" - Fahrrad im Trend und FahrRad ... aber sicher! behaupten. Ziele waren die Jugendverkehrsschule in Kaltenkirchen, die Karl-May-Spiele und der Wildpark Eekholt.


Über die Kreisberufsschule und die Segeberger Gymnasien versuchen wir ab 2001 mit dem Programm "Aktion Junge Fahrer" der Deutschen Verkehrswacht (AJF) die im Straßenverkehr am meisten gefährdete Gruppe der Jugendlichen und jungen Erwachsenen zwischen 16 und 25 Jahren zu erreichen, sie über ihre speziellen Unfallursachen zu informieren und die Vorteile eines Pkw-Sicherheitstrainings zu demonstrieren. Wie schwer das ist, mag der Umstand verdeutlichen, dass von 20 ausgegebenen Gutscheinen für ein kostenloses Pkw-Sicherheitstraining nur 7 realisiert wurden. Aber wir geben nicht auf! Am 20.08. findet auch im Jubiläumsjahr 2004 in Bad Segeberg dieser AJF Verkehrssicherheitstag, eingebunden in die landesweite Verkehrswachtmaßnahme "fit & fair eine Aktion Junge Fahrer", statt.


Unser Ziel für die nahe Zukunft ist die Einrichtung eines eigenen Übungsplatzes für das Pkw-Sicherheitstraining; wir sind nahe an der Realisierung in einer Stadt des Kreises! Damit hoffen wir, dieses lebensrettende Training allen interessierten Kraftfahrern kostengünstiger anbieten zu können!


Man kann die Senioren wohl die dankbarste Gruppe unserer Klientel nennen. Unsere Moderatoren der DVR-Programme "Ältere Menschen als Fußgänger im Straßenverkehr" und "Ältere aktive Kraftfahrer" betreuten und informierten viele ältere Menschen in Zusammenarbeit mit den Seniorenbeiräten und den Seniorenclubs. Sie waren auch vielfach in Seniorenheimen tätig mit dem Ziel, den Senioren ein Sicherheitsgefühl zu vermitteln, damit diesen auch im Alter als wichtige Lebensqualität die Mobilität erhalten bleibt.


Nach Änderungen im Gerichtswesen drohte unsere finanzielle Quelle der Bußgelderzuweisung zu versiegen. Seit sich diese Entwicklung abzuzeichnen begann, hat uns der Kreis Segeberg dankenswerter Weise die Fortsetzung und auch die Intensivierung unserer ehrenamtlichen Arbeit durch Zuschüsse ermöglich. Erst die einmütige Zustimmung des Kreistages gibt uns die nötige Sicherheit für eine sinnvolle und langfristige Planung, damit die Nachricht "Die Kreisverkehrswacht kann sich zu einer segensreichen Einrichtung entwickeln!" der "LN" von 1954 bestätigt wird.

 

PS: Genau wie bei der Gründung vor 50 Jahren ist mit Herrn Rechtsanwalt Jörg R. Friedhoff-Schüller aus Wahlstedt auch heute ein Jurist Vorsitzender der Kreisverkehrswacht Segeberg.

Kreisverkehrswacht Segeberg e.V.

- Gemeinnütziger Verein -

Waldstraße 17

23812 Wahlstedt
Bankverbindung:
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  1. IBAN: DE69 2305 1030 0000 0933 27

 

Tel: +49 (04554) 99 11 48

Fax: +49 (04554) 99 11 49

Mail: vorstand@kvw-se.de

Vertreten durch:

Jörg R. Friedhoff-Schüller


Vorstand

Moderatoren